Anonymität, Datenschutz und Privatsphäre sind in der heutigen Welt des Internets eine äußerst wichtige Sache. Jeder hat irgendwie das Gefühl, dass seine Daten gesammelt und verkauft werden und dass die großen Player im Internet einfach alles über einen wissen.

Schließlich gibt es im World Wide Web viele Bereiche, die einem diesen Eindruck vermitteln. Google fragt einen, ob man den Supermarkt um die Ecke nicht bewerten möchte, weil man doch vor kurzem für 20 Minuten dort einkaufen war. Auf fast jeder Internetseite läuft durch Google AdSense personalisierte Werbung und Facebook und Instagram erinnern sich an mehr Gefühle und durchzechte Wochenenden als du es selber tust.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass es inzwischen viele Lösungen für mehr Anonymität, Datenschutz und Privatsphäre im Internet gibt. Man kann sich VPNs installieren, Add-ons für den Browser nutzen oder eine andere Suchmaschine einstellen.

In diesem Beitrag werde ich die Browser-Add-ons Startpage, Privacy Badger und Ghostery vergleichen. Gerade das frisch erschienene Add-on von Startpage interessiert mich, da es erst am 18.01.2022 veröffentlicht wurde und somit den bereits etablierten Lösungen den Kampf ansagt.

Vergleichen werden wir nicht nur den Funktionsumfang, sondern auch die Tracker- und Cookie-Blockierung, sowie das Design und die Handhabung der Browser-Erweiterungen.

Funktionsumfang

Beginnen wir mit dem Funktionsumfang. Den ausgeglichensten Funktionsumfang hat meiner Meinung nach die Browser-Erweiterung von Startpage. Man bietet hier eine umfangreiche Erkennung von Cookies und Trackern und deren Blockierung. Ebenfalls an Bord sind eine einmalige Datenschutzbewertung und Statistiken.

Das Add-on Privacy Badger verzichtet im Gegensatz zu Startpage komplett auf Statistiken und eine Datenschutzbewertung. Ansonsten bietet man auch hier eine zuverlässige Erkennung von Cookies & Trackern und dementsprechend auch das Blocking.

Ghostery bietet zwar die Erkennung und das Blockieren von Trackern, allerdings werden Cookies nicht erwähnt. Aus diesem Grund habe ich mit dem Support Kontakt aufgenommen. Ich fragte explizit nach, ob Ghostery Cookies blockiert und was mit dem Feature „Modify Requests“ gemeint ist.

Man erklärte mir, dass man Cookies durch den Anti-Tracking-Filter blockieren würde. Ghostery blockiert im Gegensatz zu anderen Add-ons keine bestimmten Anfragen, sondern modifiziert diese, indem man Placebo-Code anstatt der persönlichen Informationen weitergibt. Auf jeden Fall eine sehr interessante Lösung.

Dementsprechend habe ich einen kurzen Test vorgenommen und konnte bestätigen, dass sich auch Ghostery um Cookies kümmert. Warum dies nicht extra erwähnt wird, kann ich mir tatsächlich nicht erklären. Alleine aus Marketinggründen würde ich dies tun.

Vergleich wetter.com ohne und mit Ghostery
Ein Vergleich auf wetter.com. Linker Browser ohne und rechter Browser mit Ghostery als Browser-Erweiterung.

In meinem Test kann man ganz klar erkennen, dass im linken Browser ohne Ghostery als Browser-Erweiterung viel mehr Cookies (29 Cookies!) von externen Ressourcen gesetzt werden.

Währenddessen wird im rechten Browser mit aktiviertem Ghostery nur der Cookie für die Spracheinstellung von wetter.com selber gesetzt. Auch im Local Storage sind wesentlich weniger Daten zu finden. Eine Blockierung der Cookies und Tracker vonseiten der Browser selbst habe ich vor dem Test selbstverständlich deaktiviert.

FunktionStartpagePrivacy BadgerGhostery
Cookies blockierenJaJaJa
Tracker blockierenJaJaJa
Einzelne Tracker & Cookies verwaltenJaJaJa
DatenschutzbewertungJaNeinNein
StatistikenJaNeinJa (kostenpflichtig)
PreisKostenfrei KostenfreiFreemium ab 3,99 $ pro Monat

Tracker- und Cookie-Blockierung

Das wichtigste der Add-ons ist natürlich die Erkennung und Blockierung von Trackern und Cookies! Dementsprechend habe ich dem Thema einen eigenen Abschnitt gewidmet.

Ich habe insgesamt 10 durchaus bekannte und häufig genutzte Webseiten in Deutschland getestet. Die Ergebnisse aus diesem Test haben mich teilweise echt überrascht. So habe ich zwar mit einem kleinen Unterschied bei den Ergebnissen gerechnet, allerdings hat mich der etwas größere Unterschied – gerade zwischen den bereits etablierten Anbietern – dann doch überrascht.

Hierbei sind ein paar Dinge noch wichtig zu wissen! Erstens, dass ich keinerlei extra Einstellungen vorgenommen habe. Mir war es wichtig, die Add-ons so zu testen, wie sie standardmäßig installiert werden. Schließlich stellen nur die wenigsten Nutzer extra Sachen in den Einstellungen ein.

Zweitens wurden für diesen Test keine Cookie-Consent-Banner akzeptiert. Hier geht es um automatisch aufgebaute Verbindungen! Drittens darf man nicht vergessen, dass blockierte Tracker auch automatisch blockierte Cookies bedeuten!

So erkannte und blockierte Privacy Badger standardmäßig drei Tracker mehr als Ghostery. Ebenfalls muss ich darauf hinweisen, dass die erkannten und blockierten Tracker und Blocker teilweise an einem anderen Tag mehr waren. Ich habe dies über zwei Tage getestet und komme auf kleinere Differenzen. Am gestrigen Tage erkannten Startpage und Privacy Badger jeweils zwei Tracker mehr und hatten sich damit beide vor Ghostery gesetzt.

Ich gebe mal ein kleines Beispiel. Während Privacy Badger und Ghostery auf instagram.com die Verbindung zu Facebook blockieren, erlaubte Startpage diese Verbindung. Ich erkläre dir jetzt einmal, warum das kritisch sein könnte.

Ich gehe für dieses Beispiel einmal davon aus, dass du einen Account bei Instagram und einen Account bei Facebook hast. Dementsprechend weiß das Unternehmen Meta genau, wann du dich auf welcher Seite aufhältst.

Du hast dich mit Absicht auf Instagram ausgeloggt und möchtest dir ein gepostetes Bild auf dem Instagram Kanal eines Freundes (Dennis Beispielmann) angucken. Dadurch, dass du bei Facebook noch eingeloggt bist, weiß Facebook und damit auch Instagram trotzdem, dass du derjenige bist, der sich gerade das Bild von Dennis angeguckt hat und kann eine Verbindung zwischen euch beiden aufbauen.

So könnte es sein, dass du beispielsweise Dennis auf Instagram als Vorschlag zum Folgen bekommst, obwohl du nie etwas mit ihm zu tun gehabt hattest. Das Gleiche betrifft Facebook. Das ist ein durchaus realistisches Szenario! Ich habe diese Situation für dich in einer Grafik zusammengefasst.

Facebook und Instagram

Ebenso könnte es sein, dass Facebook einen Teil deiner Browserhistorie wiederherstellen kann, weil auf verschiedenen Internetseiten, die du besucht hast, immer eine automatische Verbindung zu Facebook aufgebaut wurde und du dort noch eingeloggt warst. Facebook weiß dadurch theoretisch genau, welche Webseiten du wann, wie lange und im schlimmsten Fall auch warum du sie besucht hast.

Seitdem Inkrafttreten der DSGVO sind diese automatischen Verbindungen allerdings immer weniger geworden, da diese nicht DSGVO-konform sind.

WebsiteStartpagePrivacy BadgerGhostery
amazon.com2x Tracker, 1x Cookie2x Tracker, 1x Cookie1x Tracker
bild.de/1x Cookie/
bmw.de1x Tracker1x Tracker1x Tracker
instagram.com/1x Tracker1x Tracker
mauricewoitzyk.de///
paypal.com4x Cookies4x Cookies1x Tracker
reddit.com/1x Tracker/
spiegel.de1x Tracker1x Tracker/
t-online.de2x Tracker3x Tracker2x Tracker
wetter.com1x Tracker, 4x Cookies1x Tracker, 4x Cookies1x Tracker
Gesamtbewertung4/55/52/5
Blockierte Tracker und CookiesStartpage: 7 Tracker, 9 CookiesPrivacy Badger: 10 Tracker, 10 CookiesGhostery: 7 Tracker
Die Cookie-Blockierung von Ghostery konnte aufgrund der Differenzen zur Erkennung und Blockierung nicht korrekt getestet werden. Die Daten sind aus diesem Grund nicht mit in die Tabelle aufgenommen worden.

Design & Handhabung

Kommen wir zum Themenpunkt Design & Handhabung. Mir ist durchaus bewusst, dass jeder seine eigenen Präferenzen hat und dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Daher mag sich meine Meinung eventuell von deiner unterscheiden.

Trotzdem habe ich eine Bewertung in dieser Kategorie vorgenommen. Mir persönlich ist eine einfache Handhabung sowie ein minimalistischer Stil und ein modernes Design des Add-ons sehr wichtig. Als Testseite fungiert diesmal die Website von wetter.com.

Icons in der Leiste

Die Icons in der Browserleiste sind der erste wichtige Indikator dafür, ob und wie viel das Add-on erkannt und blockiert hat. Während Privacy Badger und Ghostery hier jeweils die Anzahl der erkannten und blockierten Cookies und Tracker über dem eigentlichen Icon anzeigen, geht das Add-on von Startpage einen anderen Weg.

So zeigt man hier eine Datenschutzbewertung an! Dabei handelt es sich um eine Skala von 1 bis 5, an der du erkennen kannst, wie sicher in Bezug auf Datenschutz die Website ist, auf der du dich gerade bewegst. Hierbei bedeutet eine 1 einen sehr schwachen Datenschutz, während eine 5 den besten Datenschutz signalisiert. So bekommt wetter.com eine drei und befindet sich damit sozusagen im Mittelfeld. Meine eigene Website mauricewoitzyk.de bekommt selbstverständlich eine 5!

Browserleiste
Die Browserleiste mit den installierten Add-ons

Persönlich empfinde ich den Ansatz von Startpage als eine wirklich interessante Idee. So hat man direkt eine Idee davon, wie viel über einen gesammelt wird, wenn man die Datenschutzbewertung sieht. Allerdings ist das natürlich auch bei den anderen Add-ons der Fall. Dementsprechend kommt es hier meiner Meinung nach auf deinen Geschmack an. Ich kann an beiden Varianten etwas abgewinnen.

Das Pop-up

Das Pop-up der Browser-Erweiterungen ist sozusagen das Dashboard. Es sollte eine klare Übersicht darüber geben, welche Cookies und Tracker man erkannt und blockiert hat. Ebenfalls sollten User dort diverse Einstellungsmöglichkeiten haben.

Startpage

Das Pop-up von Startpage ist nicht nur das modernste, sondern auch wirklich sehr aufgeräumt. Im oberen Bereich bekommen wir eine Großansicht der Datenschutzbewertung mit einer dazu passenden Beschreibung.

Anschließend folgt eine Übersicht davon, wie viele Cookies und Tracker blockiert wurden (in umgekehrter Reihenfolge) und ein Link zur näheren Verwaltung.

Sofern man auf den Link „Tracker und Cookies verwalten“ klickt, folgt eine genauso übersichtliche Auflistung der Cookies und Tracker. Unterteilt sind diese zwischen Größere Tracker und Kleinere Tracker. Hier hat man nun die Möglichkeit, die Tracker komplett zu blockieren, nur die Cookies nicht zuzulassen oder die Blockierung für beide Elemente aufzuheben.

Was ich besonders hervorheben möchte ist, dass man eine Warnmeldung bekommt, wenn man den Status eines Trackers verändern möchte. So wird man ausdrücklich davor gewarnt, wenn man einen Tracker komplett blockieren möchte, anstatt nur den Cookie nicht zuzulassen. Daraufhin folgt diese Warnmeldung: „Das Blockieren dieser Domain führt zu Fehlern auf Websites.

Privacy Badger

Privacy Badger lebt den Minimalismus vor. Das Pop-up ist sehr übersichtlich und narrensicher gebaut. Man bekommt sofort eine Übersicht, von welcher Seite Tracker oder Cookies blockiert wurden.

Privacy Badger Pop-up

Es gibt keinen unnötigen Schnickschnack. Alles ist funktional und so programmiert und designt wurden, dass man das Add-on sofort ohne extra Einstellungen vorzunehmen nutzen kann.

Vielleicht sieht es etwas altbacken aus, aber das liegt wohl im Auge des Betrachters und beeinflusst die Wirksamkeit der Browser-Erweiterung nicht.

Zusätzlich zu den Reglern für das Blockieren der Cookies und Tracker, gibt es noch zwei Buttons, mit denen man entweder die Erweiterung für diese bestimmte Seite ausstellen kann, oder einen Defekt auf der Seite melden kann.

Im Gegensatz zu der Browser-Erweiterung von Startpage gibt es auch einen Spendenlink, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass hinter Privacy Badger eine Stiftung steckt, während Startpage eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung ist, was in Deutschland einer Unternehmergesellschaft (UG) gleichkommt.

Ghostery

Kommen wir zum letzten Pop-up unserer Browser-Erweiterungen! Die Rede ist von Ghostery. Das Pop-up ist im Vergleich das größte und bietet auch mit Abstand am meisten Einstellungsmöglichkeiten.

Jetzt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob er sämtliche Anzeigen und Möglichkeiten in dem Pop-up auch für nötig erachtet, oder ob es doch etwas unnötig aufgeblasen ist.

In der einfachen Ansicht bekommt man alle notwendigen Informationen. Wie viele Tracker wurden blockiert, wie viele Anfragen geändert und wie lange hat die Seite geladen.

Ebenfalls kann man die Filter „Anti-Tracking“, „Werbeblocker“ und „Intelligentes Surfen“ ein und ausschalten. Diese beeinflussen die Art und Weise der Blockierungen.

Ghostery Pop-up

Zusätzlich zu der einfachen Ansicht, hat man mit der „Detailansicht“ eine zusätzliche Auswahl zur Verfügung, mit der man eine detailliertere Übersicht darüber bekommt, welche Tracker spezifisch in bestimmten Kategorien blockiert wurden.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Add-ons hat Ghostery seine Einstellungen in das Pop-up mit eingearbeitet, während man bei Startpage und Privacy Badger seine Einstellungen in einem externen Tab vornehmen muss.

Man hat außerdem die Möglichkeit, sich historische Statistiken anzuzeigen. Dies ist allerdings ein Feature, für das man ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen müsste. Über das Add-on von Startpage bekommt man diese Statistiken komplett kostenfrei, während sie im Add-on von Privacy Badger nicht vorhanden sind.

Fazit

Ich ziehe mal ein kurzes Fazit. Selbstverständlich hat jeder seine eigenen Vorlieben und Präferenzen, was die Funktionsweise und das Design betrifft. Dementsprechend ist das meine eigene Meinung und diese spiegelt möglicherweise nicht deine wider.

Standardmäßig blockt das Add-on Privacy Badger am meisten ab, sodass ich es hier zum Testsieger krönen würde. Allerdings befindet sich bereits sehr knapp dahinter, das noch vollkommen neue Add-on von Startpage! Besonders gefallen hat mir hier die sehr moderne und schlicht gehaltene Oberfläche der Browser-Erweiterung, wobei das natürlich weniger Gewicht hat, als das eigentliche Blocking der Tracker.

Den letzten Platz nimmt Ghostery ein. Die Oberfläche wirkt in meinen Augen weder besonders modern oder aufgeräumt, noch blockiert die Erweiterung ohne extra Einstellungen besonders viele Tracker. Das kostenpflichtige Modell hinterlässt meiner Meinung nach ebenfalls keinen guten Eindruck.

Ich bedanke mich ganz herzlich für deine Aufmerksamkeit und wünsche dir noch einen schönen Tag – dein Maurice!

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